Die Erstellung einer umfassenden Patientenverfügung ist ein essenzieller Bestandteil der persönlichen Vorsorgeplanung. Sie ermöglicht es Ihnen, Ihren Willen hinsichtlich medizinischer Behandlungen und Pflegeleistungen festzulegen, für den Fall, dass Sie selbst nicht mehr entscheidungsfähig sind. Die nachfolgende Ausführung erläutert detailliert, warum eine notariell beurkundete Patientenverfügung sinnvoll ist und gibt einen umfassenden Überblick über die Inhalte, die eine Patientenverfügung enthalten sollte und muss.

Warum eine notariell beurkundete Patientenverfügung sinnvoll ist

Rechtliche Sicherheit

Eine notariell beurkundete Patientenverfügung bietet ein Höchstmaß an rechtlicher Sicherheit. Der Notar überprüft, ob die Verfügung klar und eindeutig formuliert ist und wirklich Ihren Willen widerspiegelt. Er stellt auch sicher, dass alle rechtlichen Anforderungen erfüllt sind.

Vermeidung von Interpretationsspielräumen

Durch die professionelle Formulierung durch einen Notar werden Missverständnisse und Interpretationsspielräume minimiert. Dies ist besonders wichtig, da im Ernstfall genau nach dem Wortlaut Ihrer Verfügung gehandelt wird.

Beratung zu komplexen Sachverhalten

Der Notar bietet umfassende Beratung zu den vielschichtigen medizinischen, rechtlichen und ethischen Fragen, die im Rahmen einer Patientenverfügung relevant sind.

 

Wesentliche Inhalte einer Patientenverfügung

Geltungsbereich

Sie sollten genau definieren, in welchen medizinischen Situationen Ihre Verfügung gelten soll. Beispiele sind das Endstadium einer unheilbaren Krankheit, Bewusstlosigkeit oder der dauerhafte Verlust der Kommunikationsfähigkeit.

Medizinische Maßnahmen

Es ist wichtig, detaillierte Angaben zu gewünschten oder abgelehnten medizinischen Maßnahmen zu machen. Dazu zählen beispielsweise die künstliche Ernährung, Beatmung, Reanimation, Schmerztherapie und Palliativversorgung. In Ihrer Patientenverfügung können und sollten Sie beispielweise detaillierte Angaben zu den folgenden gewünschten und ablehnenden medizinischen Maßnahmen machen:

  • Künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr
  • Beatmung
  • Reanimationsmaßnahmen
  • Schmerztherapie und Palliativversorgung

Persönliche Daten

Eine Patientenverfügung sollte Ihre vollständigen Personalien enthalten. Dazu gehören Name, Geburtsdatum, Adresse und auch Kontaktdaten einer

Bevollmächtigung und Ansprechpartner

Die Benennung einer Vertrauensperson, die als Bevollmächtigter im Sinne des Patienten handeln soll, ist ein zentraler Bestandteil einer Patientenverfügung. Sie sollten mit der zu bevollmächtigten Person sprechen, ob sie/er bereit ist, für Sie als Bevollmächtigter zu handeln, da es bei einer Patientenverfügung insbesondere auch um die (Nicht-) Durchführung von lebensverlängernden Maßnahmen geht. Auch sollte die bevollmächtigte Person Ihre Wünsche kennen und damit einverstanden sein, dass die Kontaktdaten des Bevollmächtigten mit aufgenommen werden.

Die Rolle des Bevollmächtigten

Die Benennung eines Bevollmächtigten ist ein zentraler Bestandteil einer Patientenverfügung. Dieser Bevollmächtigte, ist  eine Vertrauensperson und dafür verantwortlich, dass Ihr Wille, wie in der Verfügung festgelegt, umgesetzt wird. Er fungiert als Ihr Sprachrohr, wenn Sie selbst nicht mehr kommunizieren können. Bei der Auswahl eines Bevollmächtigten ist es wichtig, jemanden zu wählen, dem Sie vertrauen und der Ihre Werte und Wünsche versteht. Es sollte jemand sein, der die Fähigkeit und Bereitschaft besitzt, schwierige Entscheidungen in Ihrem Sinne zu treffen.

Verantwortlichkeiten und Befugnisse

Der Bevollmächtigte hat die Aufgabe, Ihre medizinischen und persönlichen Interessen zu vertreten. Er trifft Entscheidungen in Übereinstimmung mit den in der Patientenverfügung festgelegten Anweisungen. Dies beinhaltet das Treffen von Entscheidungen über medizinische Behandlungen, die Koordination mit Ärzten und Krankenhauspersonal und, falls erforderlich, das Treffen von Entscheidungen über Pflegeeinrichtungen.

Rechtliche Aspekte

Der Bevollmächtigte sollte sich über die rechtlichen Aspekte der Patientenverfügung im Klaren sein. In einigen Fällen kann es erforderlich sein, dass der Bevollmächtigte mit juristischen Vertretern zusammenarbeitet, um sicherzustellen, dass Ihre Wünsche in Übereinstimmung mit dem geltenden Recht umgesetzt werden.

Langfristige Verpflichtung

Der Bevollmächtigte sollte sich bewusst sein, dass diese Rolle eine langfristige Verpflichtung sein kann, besonders bei chronischen Krankheiten oder fortschreitenden Zuständen. Er muss bereit sein, diese Verantwortung über einen längeren Zeitraum zu übernehmen.

Regelmäßige Kommunikation und Aktualisierung

Es ist wichtig, dass der Bevollmächtigte regelmäßig mit Ihnen kommuniziert, um sicherzustellen, dass Ihre aktuellen Wünsche und Vorstellungen bekannt sind. Sollten sich Ihre Ansichten oder gesundheitlichen Bedingungen ändern, muss der Bevollmächtigte darüber informiert sein, um entsprechend handeln zu können.

Zusammenarbeit mit anderen Bevollmächtigten

Falls mehrere Bevollmächtigte benannt sind, muss der Hauptbevollmächtigte in der Lage sein, effektiv mit den anderen zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten, um eine einheitliche Entscheidungsfindung zu gewährleisten.

Vertraulichkeit

Der Bevollmächtigte muss vertraulich mit Ihren persönlichen und medizinischen Informationen umgehen. Er sollte sich der Sensibilität und Privatsphäre dieser Informationen bewusst sein und sie entsprechend schützen. Die Rolle des Bevollmächtigten in einer Patientenverfügung ist also vielschichtig und erfordert ein hohes Maß an Vertrauen, Verantwortung und Respekt gegenüber den Wünschen des Patienten. Es ist eine wichtige Aufgabe, die sorgfältige Überlegung bei der Auswahl und klare Kommunikation zwischen allen Beteiligten erfordert.

 

Aktualisierung der Patientenverfügung

 

Veränderungen im persönlichen Bereich

Mit der Zeit können sich Ihre gesundheitlichen Bedingungen ändern. Neue Diagnosen, Krankheitsverläufe oder die allgemeine Entwicklung Ihres Gesundheitszustandes können Einfluss darauf haben, welche medizinischen Maßnahmen Sie wünschen oder ablehnen. Regelmäßige Aktualisierungen stellen sicher, dass Ihre Patientenverfügung diese Änderungen berücksichtigt. Im Laufe des Lebens können sich Ihre Werte, Überzeugungen und Einstellungen zu medizinischen Maßnahmen ändern. Was Ihnen heute wichtig ist, mag in einigen Jahren anders sein. Durch regelmäßige Aktualisierungen können Sie sicherstellen, dass Ihre Patientenverfügung Ihre aktuellen Werte und Wünsche widerspiegelt.

Entwicklung neuer medizinischer Technologien und Behandlungen

Die Medizin entwickelt sich ständig weiter. Neue Behandlungen und Technologien, die zum Zeitpunkt der Erstellung Ihrer Patientenverfügung nicht verfügbar waren, könnten für Ihre medizinische Versorgung relevant werden. Eine regelmäßige Überprüfung ermöglicht es Ihnen, diese Entwicklungen in Ihre Planung einzubeziehen.

Rechtliche Änderungen

Gesetze und Vorschriften im Gesundheitswesen können sich ändern. Um sicherzustellen, dass Ihre Patientenverfügung rechtlich gültig und aktuell bleibt, sollten Sie sie regelmäßig im Hinblick auf neue rechtliche Anforderungen überprüfen.

Beziehungsdynamik

Die Beziehungen zu den Personen, die Sie als Bevollmächtigte benannt haben, könnten sich verändern. Es kann notwendig sein, diese Benennungen zu überdenken und anzupassen, um sicherzustellen, dass die für Sie wichtigen Personen diese Rolle übernehmen.

Empfehlung zur Überprüfungsfrequenz

Es wird empfohlen, Ihre Patientenverfügung mindestens alle 5-10  Jahre zu überprüfen. Zusätzlich sollten Sie sie nach jedem bedeutenden gesundheitlichen oder persönlichen Ereignis aktualisieren. Die regelmäßige Überprüfung und Aktualisierung Ihrer Patientenverfügung ist ein wesentlicher Schritt, um sicherzustellen, dass Ihre medizinischen Wünsche und Anweisungen respektiert und befolgt werden. Es ist ein Prozess, der eine kontinuierliche Reflexion und Anpassung an Ihre aktuelle Lebenssituation erfordert.